Reden wir nicht drumrum: Wir spielen Kriegsspiele.
Beschönigende Begriffe wie "Strategisches Figurenspiel" oder "Konfliktsimulation" ändern daran nichts.

Wir haben Verständnis dafür, wenn sich einige von dieser Tatsache abgestoßen fühlen, angewidert abwenden und an dieser Stelle aufhören, zu lesen.
Allen anderen sei im Folgenden kurz erläutert, wie man sich das ganze konkret vorzustellen hat:

Tradition des Kriegsspiels

Kriegsspiele haben eine sehr alte Tradition.
Schon in der Antike gehörte die Kriegskunst zur allgemeinen Grundbildung. Den Begriff "Kunst" mit "Krieg" in Verbindung zu bringen erscheint uns heute etwas abwegig möglicherweise sogar pervers. Doch ist hier die alte Bedeutung von "Kunst" gemeint, nämlich, dass man "etwas kann". So wurden früh die ersten Modelle von Schlachtfeldern geschaffen und darauf Einheiten aus Ton nach bestimmten Regeln bewegt um Strategie und Taktik berühmter Schlachten nachzuvollziehen. Kadesh, Cannae, Marathon, Teuteburger Wald boten sich damals an, um besondere Erfolge oder Niederlagen nachzuspielen und zu verstehen.

Kriegsspiele sind aus allen folgenden Epochen bis in die jetzt Zeit bekannt und wurden zunehmend komplex. Sie dienen hauptsächlich der militärischen Ausbildung von Offizieren aber auch, um während eines Krieges bestimmte Strategien und Taktiken der Gegners vorherzusehen und entsprechende Gegentaktiken zu entwickeln.

Kriegsspiele als Unterhaltung

Schach ist sicher das bekannteste und am weitesten verbreitete Unterhaltungs-Kriegsspiel. Aufgrund seines hohen Abstraktionsgrades wird es jedoch selten mit blutigen Schlachten gedanklich in Verbindung gebracht. Seit Ende der 1950er Jahre erfreut sich Risiko als strategisches Kriegs-Brettspiel großer Popularität. Etwas füher bereits erschien mit Stratego ein weiterer Kriegsspielklassiker. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche weitere Kriegsspiele auf den Markt gekommen, oftmals auf einem fantastischen Hintergrund wie Battles of Westeros oder Der Ringkrieg.

Krieg in Computerspielen

Unmittelbar mit Beginn der Computerspiele, macht das Genre Krieg einen sehr Anteil der vertriebenen Automaten (z.B. Space Invaders), Computer (z.B. Raid over Moskow) und später Konsolenspiele (z.B. Counterstrike) aus. Heutzutage sind grob fünf Unterarten dieser Spiele zu unterscheiden: Rundenbasierte Stragiespiele (z.B. Panzer General), Aufbau-Strategie-Spiele (z.B. Starcraft), Ego-Shooter (z.B. Call of Duty), Luft-/Sternen-/Seegefechte (z.B. Descent) sowie Gefechtssimulationen (z.B. Close Combat). Wer sich für diesen Bereich der Kriegsspiele näher interessiert, dem sei das Computerspiel Museum Berlin wärmstens empfohlen.

Tabletop-Spiele im heutigen Sinne

"Tabletop" bedeutet zuerst mal einfach "Tischplatte". Und genau das charakterisiert ein Tabletop-Spiel: Man kann es im einfachsten Fall auf einer simplen Tischplatte spielen, auf der sich dann die Einheiten und Figuren bewegen, zaubern, schiessen und Nahkäpfe austragen. Es gibt normalerweise kein Spielbrett mit Feldern sondern die Figuren bewegen sich frei (natürlich entsprechend den Spielregeln und ihren Eigenschaften).

Die Einheiten werden dabei von Miniaturen dargestellt, die mehr oder weniger detaillierte Nachbildungen von Soldaten, Reittieren, Kriegsmaschinen, Monstern, Fahr- und Flugzeugen oder (Raum-)Schiffen sind.
Das Schlachtfeld wird oft ebenfalls sehr genau ausgearbeitet und mit Gelände wie Hügeln, Wäldern, Flüssen sowie Gebäuden nachbegaut. Sehr häufig spielen beim Tabletop zwei Spieler gegeneinander; es ist aber auch möglich mit mehr Teilnehmern zu spielen.

Wir unterscheiden sogenannte "Skirmisher"-Systeme, bei denen eher ein Geplänkel als eine Schlacht stattfindet und bei denen meist bis etwa höchstens 60 Miniaturen, meist aber deutlich weniger, auf dem Spielfeld sind.
Skirmisher-Systeme sind beispielsweise Infinity, Freebooters Fate, Warmachine, Warhammer Age of Sigmar oder Mortheim. Die andere Gruppe Tabletop-Spiele stellt größere Schlachten dar (Warmaster, Warhammer, Kings of War und andere).


Bezüglich des des Hintergrundes sind drei Genres vorherrschend: Fantasy, Science Fiction und historisches Tabletop.

  • Im klassischen Fantasy stehen sich Menschen, Elfen, Zwerge, Oger, Orks, Goblins, Rattenmenschen, Vampire, Untote, Tiermenschen und Dämonen auf dem Schlachtfeld gegenüber.
  • Beim Science-Fiction Tabletop liefern sich durch Kampfanzüge geschützte Menschen und Droiden, Raumschiffe sowie Kampfroboter Gefechte.
  • Historische Tabletop Systeme leiten ihren Hintergrund und die eingesetzten Einheiten stets aus der Militär- und Zeitgeschichte der jeweils gespielten Epoche ab.

Tabletop als Hobby

Tabletop ist ein vielseitiges Hobby.
Sammeln, Basteln, Bemalen, Schlachten und Geplänkel austragen, über das Hobby Fachsimpeln, an Malwettbewerben teilnehmen sowie die Beschäftigung mit dem Hintergrund des Spiesystems bis hin zu Rollenspiel-Elementen - jeder Spieler sucht sich aus diesen Zutaten die Mischung aus, die ihm am besten zusagt. Es gibt Tabletopper, die lediglich einige wenige Figuren gesammelt und diese zur Perfektion bemalt haben aber noch nie an einem Spieltisch mit ihren Figuren gespielt haben. Andere sind so wild darauf, richtig große Armeen zu befehligen, dass sie die Miniaturen ganz oder teilweise durch einfache Pappschnipsel ersetzen.


Der Autor dieser Zeilen zum Beispiel hat Jahrzehnte lang Plastikmodellbau und Pen&Paper-Rollenspiel als Hobby betrieben. Als dann die Zinnfiguren für die Darstellung der Kampfsituationen in den Pen&Paper-Rollenspielen immer zahlreicher wurden und er dann auch die extrem detaillierten Plastikmodelle aus dem Warhammer Fantasy System entdeckte, war der Schritt zum Tabletop die logische Konsequenz um die Interessen Basteln, Malen, Kämpfen und fantasy miteinander zu verschmelzen.